Daddeln sie nur rum?

In den letzten Tagen hat mein Sohn angefangen, das „Smombie-Lied“ (Mama und ihr Handy; Papa und sein Handy) zu singen. Viele von uns hängen mehr an unseren Handys, um uns zu informieren, die neusten Nachrichten zu COVID19 zu finden, mit Freunden (alt und neu) zu kommunizieren, und Witze zu teilen. Viele Eltern machen sich Sorgen, dass ihre Kinder während der Schulschließung – und vor allem wenn sie social distancing / soziale Isolierung ausüben – nur noch rumdaddeln werden. Was passiert jetzt mit Empfehlungen wie „30 Minuten Bildschirmzeit am Tag“?

Besonders interessant und hilfreich finde ich die Studien, die junge Menschen fragen, was sie eigentlich machen, wenn sie mit ihren Geräten beschäftigt sind.

Danah Boyd, in It’s Complicated: The Social Lives of Networked Teens, schlägt das „Mall“ als Bild vor, um zu verstehen, was junge Menschen machen. Dies passt umso besser während der aktuellen Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus: Teenager hingen früher abends mit Freund*innen auf den Straßen, Sportstätten oder Spielplätzen ab, oder schlenderten am Tag durch die Shoppingmeilen. Die Hauptsache dabei: miteinander zu reden, gemeinsam etwas zu machen. Diese Shoppingmeile verlagert sich jetzt ins eigene Schlafzimmer und in das Gerät hinein.

“Each cohort of teens has a differ­ent space that it decides is cool. It used to be the mall. […] Although some teens still congregate at malls and football games, the introduction of social media does alter the landscape. It enables youth to create a cool space without physically transporting them­selves anywhere.”

Ihre Smartphones und Tablets ermöglichen jungen Menschen, neue cool spaces — Orte, wo man mit Freund*innen gerne gesehen wird — zu kreieren, und mit sozialem Leben zu füllen. Diese (virtuellen) Orte halten ähnliche Freuden (Spaß haben, Freundschaften stärken) und Unsicherheiten bereit (Mobbing, ausgeschlossen sein), die die Shoppingmeile auch geboten hatte.

Photo von einem Shopping Mall, mit einigen Menschen versammelt.
Phoenix Mall, CC BY 2.0 Silver Blu3

Danah Boyd rät Eltern und Lehrenden dazu, diese Spannungen mit den jungen Menschen zu reflektieren. Sie empfiehlt auch, Kinder zu fragen, was sie am Handy machen: wie viel Zeit verbringen sie mit YouTube schauen, wie viel mit Freund*innen kommunizieren, wie viel damit, selber kreativ zu sein, und so weiter. Einiges werden sie nicht erzählen, anderes schon.

Die Unterrichts- und Bildungsmedienforschung hat herausgefunden, wie viel Zeit Schüler*innen während des Schultags für das Plaudern und den informellen Austausch nutzen. Während der Schulschließung fällt sogar diese wichtige Kommunikationsform weg.

Vielleicht daddeln sie also nicht nur rum, wenn sie heute am Bildschirm sind!